Herr Lenz, PlastXnow ist eine moderne Fachmedienmarke, die sich als Impulsgeber für eine Branche im Wandel versteht – weg vom reinen "Plastik-Image" hin zu einer nachhaltigen, technologisch fortschrittlichen Kreislaufwirtschaft.
Kunststoffe stehen oft in der Kritik. Warum sollten sie dennoch Teil einer nachhaltigen Zukunft sein?
Kunststoffe sind aus unserem modernen Leben nicht wegzudenken – und das aus gutem Grund. Sie ermöglichen Leichtbau, schützen Lebensmittel, machen Medizinprodukte sicher und tragen zur Energieeffizienz bei. Das eigentliche Problem ist nicht der Werkstoff selbst, sondern unser Umgang damit. Wenn wir Kunststoffe intelligent einsetzen, im Kreislauf führen und Verluste vermeiden, sind sie ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Lösungen.
Welche Rolle spielt die Langlebigkeit von Kunststoffprodukten in diesem Kontext?
Eine sehr große. Nachhaltigkeit beginnt nicht erst beim Recycling, sondern bereits beim Produktdesign. Hochwertige Kunststoffprodukte können extrem langlebig sein – denken Sie an Anwendungen in der Medizintechnik, im Bau oder in der Mobilität. Je länger ein Produkt genutzt wird, desto besser ist seine ökologische Bilanz. Das wird in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt.

Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Schlagwort. Wo steht die Branche aktuell?
Die Branche hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Mechanisches und chemisches Recycling werden kontinuierlich weiterentwickelt, und viele Unternehmen investieren in neue Technologien. Gleichzeitig stehen wir noch am Anfang, wenn es um echte Stoffkreisläufe im großen Maßstab geht. Es braucht funktionierende Sammel- und Sortiersysteme, hochwertige Rezyklate und vor allem stabile politische Rahmenbedingungen.
Wie wichtig ist „Design for Recycling“ für die Zukunft von Kunststoffprodukten?
Absolut entscheidend. Produkte müssen heute so gestaltet werden, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus möglichst einfach recycelt werden können. Das betrifft Materialauswahl, Farbgebung, Additive und Konstruktion. Wer hier früh ansetzt, schafft die Grundlage für funktionierende Kreisläufe. Design entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Produkt später ein Wertstoff bleibt – oder zum Abfall wird.

Die Geschäftsmodelle verändern sich: Mehrwegkonzepte,
Rücknahmesysteme oder servicebasierte Ansätze gewinnen an Bedeutung.
Nachhaltigkeit entsteht heute nicht mehr nur im Material,
sondern im gesamten System.
Welche Bedeutung haben Wettbewerbe wie die Produktkategorie des Deutschen Nachhaltigkeitspreises?
Eine sehr wichtige. Sie machen sichtbar, was bereits möglich ist – und geben Orientierung. Gerade im Bereich Kunststoffprodukte gibt es viele innovative Lösungen, die zeigen, wie Nachhaltigkeit und Funktionalität zusammengehen. Der Wettbewerb bietet Unternehmen eine Plattform, ihre Entwicklungen zu präsentieren und gleichzeitig Impulse für die gesamte Branche zu setzen.
Was würden Sie Unternehmen mitgeben, die sich für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis bewerben möchten?
Seien Sie konkret und zeigen Sie Wirkung. Es geht nicht um Absichtserklärungen, sondern um messbare Fortschritte: Materialeinsparung, Recyclingfähigkeit, CO₂-Reduktion oder neue Geschäftsmodelle. Die Jury schaut genau hin – und das ist auch gut so. Wer hier überzeugt, hat in der Regel echte Innovationen vorzuweisen.
Was muss sich aus Ihrer Sicht noch ändern, damit nachhaltige Kunststofflösungen breiter umgesetzt werden?
Wir brauchen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiepreise, klare regulatorische Leitplanken und funktionierende Märkte für Rezyklate. Gleichzeitig ist ein Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig – vom Design über die Nutzung bis hin zum Recycling. Wenn diese Faktoren zusammenkommen, bin ich überzeugt, dass nachhaltige Kunststofflösungen deutlich schneller in die Breite gehen werden.
Stefan Lenz
Stefan Lenz ist Chefredakteur der Medienmarke PlastXnow und Ingenieur mit langjähriger Erfahrung in der Kunststoff- und Polymerbranche.
Er analysiert technologische Entwicklungen beispielsweise in Spritzguss, Extrusion, Additiver Fertigung und Materialinnovation mit Blick auf ihre industrielle Relevanz. Durch regelmäßigen Austausch mit Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Maschinenbauern ordnet er Trends praxisnah ein. Als Chefredakteur verantwortet er die fachliche Qualität und journalistische Unabhängigkeit der Inhalte.
Veröffentlicht im April 2026.
