BRITA zählt seit drei Jahren zu den engen Partnern des DNP. 2026 wird das Familienunternehmen mit Sitz in Taunusstein 60 Jahre alt. Ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch mit CEO und Inhaber Markus Hankammer über Transformation, Lifestyle und die Frage, ob Nachhaltigkeit ein zentrales Thema bleibt.
Herr Hankammer, BRITA feiert nächstes Jahr 60. Geburtstag. Wo steht das Unternehmen heute?
Wenn ich auf BRITA schaue, sehe ich nicht nur ein Unternehmen. Ich sehe eine Geschichte, die vor fast 60 Jahren in einer Garage begann – mit einer Idee, Wasser besser zu machen. Heute stehen wir an einem Wendepunkt. Die Welt verändert sich – technologisch, gesellschaftlich, ökologisch. Wir haben uns gefragt: Was bedeutet das für uns? Für unsere Produkte, unsere Marke, unsere Haltung? Die Antwort ist klar: Wir transformieren BRITA. Und zwar aus einer Position der Stärke. Wir sind bankenunabhängig, wirtschaftlich gesund und international erfolgreich. Aber wir wissen: Erfolg von gestern ist keine Garantie für Relevanz von morgen. Deshalb investieren wir jetzt aus eigener Kraft, mit klarem Kurs.

Ein wichtiger Teil der Transformation ist die Marke BRITA selbst. Was haben Sie vor?
Die größte Veränderung ist: Wir denken BRITA nicht mehr nur vom Produkt her, sondern von der Marke. Von Funktion zu Emotion. Die Marke ist unser Kompass, in deren Mittelpunkt unser Markenkern steckt, nämlich echt zu sein. Sie zeigt uns, wie wir kommunizieren, wie wir führen, wie wir entscheiden. Sie ist nicht nur ein Versprechen – sie ist eine Haltung. Mit ‚Drink better. Do better.‘ haben wir einen Claim entwickelt, der nicht nur gut klingt, sondern etwas meint. Wir wollen Menschen inspirieren, bewusster zu leben. Und wir wollen zeigen, dass Wasser mehr ist als ein Produkt. Kurz: Wir wollen eine sinnstiftende Lifestyle-Marke werden.
Wir befinden uns in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Viele Unternehmen stellen ihre Nachhaltigkeitsprojekte zurück. Sie auch?
Im Gegenteil. Nachhaltigkeit ist für uns kein Projekt. Sie ist Teil unserer Identität und unseres Geschäftsmodells. Deshalb haben wir die Planet Contribution als zentralen KPI eingeführt – gleichwertig zu Umsatz und Gewinn. Die Kennzahl misst, wie viele Wasserflaschen wir gemeinsam mit unseren Kund:innen durch unsere Produkte ersetzen und stellt das unserem CO₂-Fußabdruck gegenüber. Dieses Jahr werden wir rund 6 Mrd. Flaschen einsparen, das entspricht etwa 670.000t CO₂ – fünfmal so viel wie wir selbst emittieren. Bis 2030 wollen wir mehr als 8 Mrd. Plastikflaschen pro Jahr einsparen. Darüber hinaus haben wir uns der Science-Based Targets Initiative (SBTi) angeschlossen, uns zur Erreichung von Net-Zero bis 2050 verpflichtet und dafür ein Net-Zero Board eingerichtet. Aktuell sind wir dabei, die konkreten Reduktionsziele zu erarbeiten.
Da müssen Sie bitte konkreter werden.
Das Thema Carbon Management ist für uns schon länger von großer Bedeutung. Seit 2015 erfassen wir jährlich unseren globalen CO₂-Fußabdruck gemäß dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) Standard. Für das Jahr 2024 konnten wir erstmals vollständige Transparenz über unsere Scope 3 Emissionen erreichen. Das ist eine wichtige Grundlage für die Arbeit an unserem erklärten Ziel, ein Net-Zero-Unternehmen zu werden. Unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen konnten wir seit 2022 um über 10 Prozent senken. Seit 2020 haben wir 1.550 Tonnen Verpackungsmüll eingespart – das Ziel sind 5.000 Tonnen bis Ende 2025. Und wir setzen immer mehr auf biobasierte Kunststoffe. Unsere MAXTRA PRO Kartusche ist zu 99 Prozent recycelbar, und im B2B-Bereich holen wir schon 55 Prozent der Kartuschen zurück. Das klappt so gut, weil unsere Kund:innen mitziehen.
Wie bleibt BRITA innovativ – und trotzdem nachhaltig?
Innovation und Nachhaltigkeit gehören für uns zusammen. Wir investieren jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in ein nachhaltiges Produktportfolio und in digitale Services. Zum Beispiel haben wir einen CO₂- und Waste-Saving-Calculator für unsere B2B-Kunden entwickelt. Oder den BRITA Cube, der Wasser filtert, erhitzt und mit UV-C-Technologie Keime entfernt. Digitalisierung, Personalisierung, nachhaltige Materialien – das sind unsere Wachstumstreiber.

Was treibt Sie persönlich an?
Ich bin Unternehmer, weil ich gestalten will. Weil ich Verantwortung übernehmen möchte. Und weil ich glaube, dass wir als Mittelständler mehr bewegen können, als man uns manchmal zutraut. Ich glaube an eine große Zukunft von BRITA. Mein Vater hat das Unternehmen gegründet, ich führe es mit der Motivation, es eines Tages im bestmöglichen Zustand an die nächste Generation weiterzugeben. Bei BRITA denken wir eben nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Auch das ist nachhaltig.
